WOHN!DESIGN Magazin 03/2020 Einzelheft

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Artikelnummer: 03/2020 Kategorie:

Beschreibung

Als sich vor ein paar Tagen ein Top-Manager der Automobilindustrie an Frau Merkel wandte und eine neue Abwrack-Prämie forderte, war ich ehrlich gesagt fassungslos. Jetzt reicht‘s. Gegenfrage: Wie wäre es mit einer Austauschprämie für Manager von vorgestern? Auf die Haltung „weiter so wie bisher“ gibt es nur eine Antwort: Abfahren! Nach wie vor hoffe ich, dass die vergangenen Wochen mehr positive Effekte haben als die zwischenmenschlichen. Es gibt gute Ansätze: Video-Konferenzen ersetzen „TagesausFLÜGE“. Und viele Freunde haben sich mehr oder weniger zwangsläufig in einer „Neuen Bescheidenheit“ geübt und festgestellt, dass sie mit viel weniger auskommen als gedacht. Ihre Erkenntnis führt zu der Überlegung, dass so manches von vornherein gar nicht gebraucht wird. Erstaunlich, aber wahr: Diese Erfahrung geht selbst an mir nicht spurlos vorüber.
Es geht dabei keinesfalls um Konsumverzicht, sondern um ein stärkeres Bewusstsein für das, was wirklich be- und genutzt wird.
Das gilt für Produkte genauso wie für Institutionen, die man schätzt, beispielsweise Lieblingsläden. Meine Cousine führt so einen – eine kleine Boutique (ohne Online-Auftritt …) in einem niedersächsischen Uni-Städtchen. Als in Deutschland alles heruntergefahren wurde, riefen ihre Stammkundinnen an und fragten nach, ob sie bei ihr Gutscheine kaufen können, um sie zu unterstützen. Dazu kam es gar nicht, denn Barbara stellte für ihre Kundschaft Auswahl-Pakete zusammen, und lieferte diese persönlich mit dem eigenen Wagen vor die Haustüre. Mir imponieren beide Seiten. Händler, die alles geben, um im Rennen zu bleiben und Kunden, die vieles tun, um geschätzte Strukturen zu erhalten. Bravo!
Und trotzdem weiß kein Mensch, ob das Engagement am Ende reicht, um zu überleben. Ich würde mich daher mehr als freuen, wenn Sie als Konsument(in) bei Ihrer nächsten Shopping-Tour „achtsam“ handeln. Man kann die Hersteller dieser Welt nicht daran hindern, überflüssige Unnötigkeiten oder unnötige Überflüssigkeiten zu produzieren, aber wir alle können mit unserem Kaufverhalten etwas in Bewegung setzen:
Sei es, manches gar nicht erst in Betracht zu ziehen, und dafür bei anderem den angemessenen Preis zu entrichten – oder tollen Service und ein echtes Einkaufserlebnis wertzuschätzen. Ihr Lieblingsladen wartet auf Sie …

Dr. Stephan Demmrich, Chefredakteur & Team